Zur prekären Beschäftigungspraxis der studentischen und wissenschaftlichen Hilfskräfte an den Hochschulen des Landes Sachsen-Anhalt

Eine kleine Anfrage des hochschulpolitischen Sprechers der Landtagsfraktion der Grünen, Olaf Meister, hat aus unserer Sicht erschreckendes zutage gefördert.
68 Prozent der studentischen (915) und sogar 75 Prozent der wissenschaftlichen (401) Hilfskräfte der MLU werden mit Ultrakurzeitverträgen abgespeist. Studentische und wissenschaftliche Hilfskräfte leisten an den Hochschulen des Landes eine überaus wichtige Arbeit. Insbesondere die wissenschaftlichen Hilfskräfte unterstützen die Professor*innen und Dozierenden bei ihren wissenschaftlichen und künstlerischen Aufgaben und betreuen sogar zum Teil als Tutor*innen die Einführungsveranstaltungen für Erstsemester*innen. Vor diesem Hintergrund halten wir die alltägliche Praxis für mehr als bedenklich und fordern ein Umlenken.

 

Durch diese Politik wird bewusst die Zukunft von Nachwuchskräften an den Hochschulen gefährdet, die sich statt sich von einer Kurzzeitbefristung an der Uni zur nächsten zu hangeln, nach anderen Tätigkeiten umsehen, in denen sie mehr Planungssicherheit haben und womöglich auch noch ein höheres Entgelt bekommen.

 

Die Förderung von studentischem und wissenschaftlichem Nachwuchs an den Hochschulen könnte also mit Blick auf die Praxis erheblich besser sein. Diesbezüglich lohnt ein Blick über die eigenen Landesgrenzen hinaus. Berlin z. B. hat vor kurzem einen neuen studentischen Tarif verabschiedet, welcher im Vergleich zur Beschäftigung über das „WissenZeitVG“ enorme Verbesserung mit sich bringt – nicht nur in der Bezahlung. So wird darin ebenfalls positiv Bezug genommen auf das „BerlHG“ (Berliner Hochschulgesetz), wonach laut §121 Beschäftigungsverhältnisse in der Regel für vier Semester geschlossen werden. Zweifellos endet das Verhältnis mit erfolgter Exmatrikulation.

 

Der StuRa der MLU lädt hiermit alle studentischen und wissenschaftlichen Hilfskräfte dazu ein, Ähnliches auch in Sachsen-Anhalt zu etablieren. Wir fordern die Landesregierung und die Hochschulleitungen demzufolge dazu auf, sich mit dieser Problematik auseinanderzusetzen und gegebenenfalls über die Einführung eines studentischen Tarifs mit der Statusgruppe der Studierenden zu verhandeln.

 

(Text: Martin Zeiler; Referat für äußere Hochschul- und Bildungspolitik)