Menschenfeindliche Geschichte reflektieren: Rassistische Strukturen benennen!

Im Zuge der weltweiten „Black Lives Matter“ Proteste kam es unter anderem zu einer verschärften Kritik und gelegentlich zu spontanen Beseitigungen von Statuen, die historische Personen wie den Sklavenhändler Edward Colston in Bristol darstellen. Damit wollen die Aktivist*innen zum einen auf die oftmals problematische Geschichte des Ortes und der Gesellschaft hinweisen und zum anderen aber auch einen Bruch mit historisch tradierten rassistischen Narrativen und Strukturen durchsetzen. Das führt oftmals zu hitzigen Kontroversen, denn nicht selten werden historische Menschenfeind*innen idealisiert oder zumindest verteidigt. Als Studierendenrat der Martin-Luther-Universität haben wir das insbesondere am Beispiel des Namenspatrons unserer Hochschule mitbekommen können. Jedes zutiefst und offensichtlich antisemitische oder sexistische Zitat wurde mit dem Hinweis auf den historischen Kontext oder als Ausnahme versucht zu entschuldigen.

Bezogen auf rassistische und koloniale Motive erleben wir in Deutschland darüber hinaus die Tendenz, diese in den USA oder in Großbritannien zu verorten, aber die Geschichte der deutschen Kolonialpolitik und ihrer Opfer weiträumig zu umgehen. Trotzdem gibt es auch in Halle diese Spuren, die auch weiterhin Zeugnis für ein rassistisches Überlegenheitsgefühl aus der Zeit ablegen oder konkrete Ergebnisse einer kolonialen Praxis sind. So gibt es im Stadtbild immer wieder überzeichnete „Mohrenfiguren“, die anders als einige Apologet*innen keine Bewunderung für die Mauren darstellen sollen, sondern an die Versklavung von Menschen an den europäischen Adelshäusern erinnern und dabei „exotisch“ wirken sollen. Auch in den Franckeschen Stiftungen finden sich Artefakte, die durch die ausgehende pietistische Missionspolitik, die nur im kolonialen Kontext möglich war, nach Halle gekommen sind. Letztendlich erzählt auch die Geschichte des an der MLU promovierten Philosophen Anton Wilhelm Amo von Sklaverei, Rassismus und dem Kampf dagegen. Hier ist die Erinnerung ebenfalls noch von kolonialen Stereotypen bestimmt, was zum Glück durch das „Aktionsbündnis Anton Wilhelm Amo“ Stück für Stück verändert werden soll.

Als StuRa stellen wir also fest, dass es auch in Halle die Notwendigkeit einer kritischen Auseinandersetzung mit Vorbildern, Statuen und Benennungen gibt. Die gerade entfachte globale Diskussion darum, sollten die Verantwortlichen also dazu nutzen, rassistische und koloniale Strukturen zu hinterfragen. Auch die MLU steht in diesem Kontext, wurde die Ausbeutung und Versklavung eines Teils der Weltbevölkerung doch auch immer „wissenschaftlich“ begründet. Eine Reflexion der menschenfeindlichen Institutionsgeschichte kann dabei helfen, die Vergangenheit zu verstehen und über Probleme in der Gegenwart zu diskutieren.