Bereits im vergangenen Jahr hat der Studierendenrat auf die problematische Situation der Beratungsstelle Inklusion an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg hingewiesen. Leider hat sich die Lage seitdem nicht verbessert – im Gegenteil: Die Situation bleibt weiterhin kritisch.
Eine chancengerechte Hochschule braucht stabile und professionelle Unterstützungsstrukturen für Studierende mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen. Die Beratungsstelle Inklusion der MLU ist dafür eine zentrale Anlaufstelle. Sie bietet individuelle Beratung, begleitet Verfahren zum Nachteilsausgleich, unterstützt bei der Studienorganisation und trägt dazu bei, Barrieren im Hochschulalltag abzubauen.
Diese zentrale Struktur ist derzeit jedoch massiv überlastet. Die personelle Situation bleibt unzureichend, wodurch eine kontinuierliche und verlässliche Beratung kaum gewährleistet werden kann. Gerade Studierende mit Behinderung oder chronischer Erkrankung sind jedoch auf eine fachlich qualifizierte und verlässliche Unterstützung angewiesen, insbesondere bei der Beantragung von Nachteilsausgleichen, der Abstimmung von Prüfungsbedingungen oder der Organisation ihres Studienverlaufs.
Der zwischenzeitlich praktizierte Versuch, Beratungsbedarfe stärker auf die einzelnen Prüfungsämter zu verlagern, hat sich als kaum tragfähig erwiesen. Prüfungsämter können die spezialisierte Beratung einer zentralen Stelle weder organisatorisch noch fachlich ersetzen. Teilweise fehlen die entsprechenden Ressourcen und Kompetenzen, teilweise besteht auch keine strukturelle Möglichkeit, die notwendige individuelle Beratung zu leisten. Eine solche Verlagerung verschiebt Verantwortung, löst jedoch nicht die zugrunde liegenden Probleme.
Hinzu kommt, dass sich in den vergangenen Wochen infrastrukturelle Barrieren verschärft haben. Mehrere Fahrstühle in zentralen Universitätsgebäuden – unter anderem im Löwengebäude sowie in der Tulpenmensa – waren längere Zeit außer Betrieb. Die Reparaturen zogen sich teilweise über Wochen oder Monate hin. Für Studierende mit Mobilitätseinschränkungen bedeutet dies ganz konkret eingeschränkten oder zeitweise unmöglichen Zugang zu zentralen Orten des universitären Lebens.
Die aktuelle Situation zeigt deutlich: Barrierefreiheit und Inklusion werden an der Universität derzeit nicht zuverlässig gewährleistet.
Der Studierendenrat fordert daher erneut und mit Nachdruck:
- eine nachhaltige personelle Stärkung der Beratungsstelle Inklusion mit ausreichend qualifiziertem Fachpersonal,
- den Erhalt und die Stärkung einer zentralen Beratungsstruktur für Studierende mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen,
- eine deutliche Beschleunigung der Reparaturen barrierefreier Infrastruktur, insbesondere von Aufzügen in zentralen Universitätsgebäuden
- sowie eine transparente Kommunikation der Universitätsleitung über konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Situation.
Barrierefreiheit und Inklusion dürfen keine Randthemen sein. Eine Universität, die Chancengleichheit ernst nimmt, muss die dafür notwendigen Strukturen zuverlässig bereitstellen. Dazu gehören funktionierende Beratungsangebote ebenso wie zugängliche Gebäude.
Der Studierendenrat wird die Entwicklungen weiterhin kritisch begleiten und sich dafür einsetzen, dass die Rechte und Bedarfe von Studierenden mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg konsequent berücksichtigt werden.
Der Studierendenrat der MLU Halle-Wittenberg