Stellungnahme zur 20. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks

Am 26. Juni hat das Ministerium für Bildung und Forschung (BMBF) zusammen mit dem Deutschen Studentenwerk (DSW) die 20. Erhebung zur sozialen Lage der Studierenden in Deutschland vorgestellt. Der Bericht offenbart nach wie vor desaströse Zustände innerhalb der sozialen Lage von vielen Studierenden.

Der Zugang zum deutschen Hochschulsystem bleibt weiter sehr selektiv, die hochgelobte Chancengleichheit ein Ideal. So sank der Anteil von Studierenden, die nicht aus AkademikerInnenfamilien stammen sogar im Vergleich zum letzten Bericht. Demnach beginnen aktuell nur 23 von 100 Kindern aus ArbeiterInnenfamilien ein Hochschulstudium. Der Anteil aus AkademikerInnenhaushalten liegt bei 77 Prozent.  Angesichts der geplanten Kürzungen im Hochschulbereich in Sachsen-Anhalt sind diese Zahlen mehr als alarmierend. Denn wenn Studienplatzkapazitäten wie von Ministerpräsident Haseloff und Finanzminister Bullerjahn geplant, abgebaut werden sollen, wird die soziale Spaltung an den Hochschulen nur noch weiter verschärft.

Die Sozialerhebung zeigt auch deutlich, dass Studierende immer höhere Summen für die Miete ausgeben müssen. In den teuersten Städten Köln, München und Hamburg sind es mittlerweile durchschnittlich 357 Euro für Miete und Nebenkosten. Ein Ausbau von günstigen Wohnheimplätzen für Studierende bleibt somit unerlässlich.

Bereits seit zwei Jahren steht die angekündigte Erhöhung der BAFöG-Sätze aus. Damit verschärft sich die prekäre Lage vieler Studierenden zusehends. Steigende Mieten und Lebenshaltungskosten können bei den meisten Studierenden schon lange nicht mehr durch das BAFöG gedeckt werden. Auch bleibt durch die restriktive Bewilligungspraxis vielen Studierenden der Zugang zum BAFöG von Anfang an verwehrt, aktuell erhalten nur 24 Prozent aller Studierenden einer Förderung. Dieser geringe Förderungsanteil zeigt deutlich, dass es eine sogenannte “Mittelstandslücke” gibt: Viele Studierende haben keinen BAFöG-Anspruch, da das Einkommen der Eltern knapp über der Anspruchsberechtigung liegt. Dies bedeutet aber keinesfalls, dass sie damit einen ausreichenden finanziellen Lebensunterhalt haben.

Konstant hoch bleibt daher auch der Anteil an Studierenden, die während ihres Studiums einer Erwerbsarbeit nachgehen müssen. Dieser liegt aktuell bei 66 Prozent. Damit wird innerhalb des eng gestrickten Zeitplans im Bachelor/Master-System der Spielraum für Aktivitäten außerhalb des Lehrplans, wie das Engagement in Hochschulgremien, weiter begrenzt.

Die Sozialerhebung des DSW verdeutlicht, dass dringender Handlungsbedarf besteht, um die soziale Lage der Studierenden zu verbessern und somit insgesamt bessere Studienbedingungen zu schaffen. Dabei ist insbesondere eine Reform und Erhöhung des BAFöGs gefordert. Link zur Sozialerhebung: http://www.studentenwerke.de/pdf/20-SE-Bericht.pdf

Kommentare

Bisher wurde noch nichts geschrieben. Du kannst der Erste sein.

Kommentieren

Wir freuen uns bereits jetzt über deinen Kommentar. Bitte gib deinen Namen und deine E-Mail-Adresse an. Letztere wird selbstverständlich nicht veröffentlicht.