Nach Kontaktverbot: Wegen Staatsexamen noch immer kein Umdenken bei Minister Tullner?

Seitdem wir am vergangenen Donnerstag kritisiert haben (1), dass Bildungsminister Tullner am Examen für die Lehrämtler*innen im März/April trotz der immer fortschreitenden Corona-Pandemie festhalten will, ist einiges passiert:

 

Zum einen haben sich neben betroffenen Studierenden auch weitere Akteur*innen über die Situation beschwert: Neben hochschulpolitischen Gruppen haben sich mit der Fraktion von DIE LINKE. (2) Abgeordnete des Landtages und mit den Jusos Halle (3) auch der Jugendverband der mitregierenden SPD zu Wort gemeldet und das Vorhaben kritisiert. Wir hoffen, dass die SPD ihren Nachwuchs in diesem Fall ernst nimmt und hier Verantwortung übernimmt. Vor allem aber sollte dem Minister zu denken geben, dass sich auch die Expert*innen vom Grundschulverband Sachsen-Anhalt kritisch zur Durchführung der Prüfungen verhalten haben (4). Der Verband bemängelte insbesondere die Diskriminierung von Teilnehmer*innen aus Risikogruppen und die mangelnde Chancengerechtigkeit aufgrund der Nichtzugänglichkeit der Infrastrukturen (Bibliotheken, Universität etc.).

 

Insgesamt hat sich aber auch die gesamte politische und medizinische Situation rund um die Corona-Pandemie seit letztem Donnerstag noch einmal stark verändert: Bereits ab heute gilt ein Kontaktverbot und weitere Geschäfte müssen den Betrieb einstellen (5) – während also Menschenansammlungen von mehr als zwei Personen durch die Landesregierung verboten werden, macht ein Mitglied dieser Regierung mit Klausuren weiter, bei denen bis zu 50 Personen in einem Raum aufhalten werden (6). Während Minister Tullner weiterhin die Verantwortung bei uns Studierenden sucht, hat die zuständige Behörde (das Landesinstitut für Schulqualität und Lehrerbildung / LISA) bereits entschieden, andere Veranstaltungen bis zum 13.04.2020 abzusagen (7).

 

Zu einer Zeit, in der bundesweit Maßnahmen zur Bekämpfung des Corona-Virus durchgesetzt werden, geht Sachsen-Anhalts Bildungsministerium erneut einen Sonderweg (8). Neben dem Risiko für die Betroffenen und die Gesellschaft gibt es allerdings ein ebenso gravierendes Problem: Durch die späte Information, die fehlende Aussage zu Ersatzterminen und durch die gesamte Kommunikationsstrategie des Ministers gibt es eine starke Verunsicherung unter den Studierenden, die man gerade in Krisenzeiten eigentlich unbedingt verhindern sollte. Wenn sich das Bildungsministerium in solchen Zeiten nicht als verlässlicher Partner erweist, wie sollen wir den angehenden Absolvent*innen dann guten Gewissens raten, etwas gegen den gravierenden Lehrer*innenmangel in Sachsen-Anhalt zu tun und nicht in anderen Bundesländern nach mehr Sicherheit und Verlässlichkeit zu suchen?

 

Verweise:

(1) https://www.stura.uni-halle.de/blog/news-item/staatsexamen-trotz-corona-pandemie-herr-tullner-ist-das-ihr-ernst/

(2) https://www.dielinke-fraktion-lsa.de/nc/politik/presse/detail/news/bildungsministerium-muss-corona-massnahmen-rechnung-tragen-staatsexamenspruefungen-fuer-lehraemter-m/

(3) https://www.stura.uni-halle.de/blog/news-item/grundschulverband-lsa-fordert-absage-der-examen/

(4) https://www.facebook.com/Jusos.Halle.Saale/photos/a.213638428735085/2757458364353066/?type=3&theater

(5) https://dubisthalle.de/ab-mitternacht-ausgangsverschaerfung-fuer-sachsen-anhalt-zusammenkuenfte-von-mehr-als-2-personen-verboten-friseure-werden-geschlossen

(6) https://lisa.sachsen-anhalt.de/lehrerausbildung/landespruefungsamt-fuer-lehraemter/erste-staatspruefungen/

(7) https://lisa.sachsen-anhalt.de/

(8) https://www.mainpost.de/regional/wuerzburg/Wegen-Corona-Staatsexamenspruefungen-in-Bayern-ausgesetzt;art735,10424777