Schrittweise Abwicklung von Universitätsklinikum und Medizinischer Fakultät?


Die Empfehlungen des Wissenschaftsrates lassen eine Abwärtsspirale ins Bodenlose für den Standort Halle befürchten

Das Aktionsbündnis MLU – Perspektiven gestalten! kritisiert die Empfehlungen des Wissenschaftsrates zur weiteren Entwicklung der Universitätsmedizin der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU). Der wiederholte Verweis auf die finanzielle Situation des Landes im Gutachten legt den Schluss nahe, dass die Empfehlungen unter dem Deckmantel inhaltlicher Argumente lediglich der Begründung der Kürzungsvorhaben der Landesregierung dienen.

Der Kernpunkt der Empfehlungen, die Schließung der Vorklinik und somit des medizinischen Grundstudiums kommt einer schrittweisen Abwicklung der gesamten Hochschulmedizin in Halle gleich. „Im Gutachten des Wissenschaftsrates heißt es, dass das Land es nicht geschafft habe, den engen Rahmen, in dem sich die Medizinische Fakultät in den letzten Jahren bewegen musste, aufzuheben. Die Zeche für dieses Versagen auf Landesseite soll jetzt der Standort Halle durch die Aufgabe eines Kernbereiches zahlen. Eine Abwärtsspirale ins Bodenlose wäre dadurch vorprogrammiert“, meint die für Bildung, Wissenschaft und Forschung zuständige ver.di-Fachbereichsleiterin Anne Voß.

Aus Sicht des Personalrates der MLU würde ein wichtiges Standbein der Universität amputiert: „Auch andere Körperteile würden dann in Mitleidenschaft gezogen, denn die Nebenfachausbildung in vielen Fächern der naturwissenschaftlichen Fakultäten, beispielsweise der Chemie, Physik oder Ernährungswissenschaften, müsste dann wegfallen“, so Bertold Marquardt, Stellvertretender Vorsitzender des Personalrates der MLU.

Aus der Perspektive der Hochschulmedizin selbst würde diese de facto Schließung des Standortes Halle weitere gravierende Konsequenzen mit sich bringen: „Die Empfehlungen bedeuten eine deutliche Reduzierung der Medizinstudienplätze in Sachsen-Anhalt, die Verschlechterung der zukünftigen medizinischen Versorgung im Land und die weitere Schwächung des Arbeitsmarktes und der Wirtschaftssituation mindestens im südlichen Sachsen-Anhalt“, kritisiert Frederik Winter, Sprecher von Halle bleibt.

„Die Vorstellung des Wissenschaftsrates, dass Studierende, die sich in ihrer neuen Heimat eingelebt haben, nach vier Semestern Grundstudium dann einen aufwändigen Umzug nach Halle in Kauf nehmen, entbehrt jeglicher realistischer Grundlage. Am Ende wird niemand mehr in Halle Medizin studieren wollen, da allein der Studienablauf nicht mehr attraktiv ist. Damit stünde dann auch der Rest der Hochschulmedizin in Halle vor dem Aus. Alle positiven Empfehlungen des Wissenschaftsrates werden so ad absurdum geführt“, so Clemens Wagner, Vorsitzender Sprecher des Studierendenrates der MLU, abschließend.

Mehr denn je zeigt sich, dass eine an Inhalten und nicht an Finanzen ausgerichtete Diskussion über die Zukunft der Hochschulen im Land unter Teilnahme aller Statusgruppen notwendig ist. Empfehlungen zur Weiterentwicklung nehmen wir dafür gerne an – Empfehlungen für Kürzungen nicht!

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