Offener Brief an den Rektor zur Strukturdebatte an der MLU

An dieser Stelle wollen wir den offenen Brief an den Rektor unserer Universität dokumentieren. Wir wollen gemeinsam für eine starke und zukunftsfähige Universität zu wirken.

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sträter,

auf Antrag der Fraktion DIE LINKE debattierte der Landtag von Sachsen-Anhalt am 19. Oktober über die Situation an unserer Universität und die vom Rektorat geplanten Stellenstreichungen.

Fraktionsübergreifender Konsens herrschte vor allem in einem Punkt: Eine Strukturdebatte, wie sie derzeit an der Martin-Luther-Universität (MLU) betrieben wird, kann zeitlich nicht vor einer Profildiskussion geführt werden! Es herrschte weiter Konsens, dass eine Streichung von Professuren und weiteren Stellen einen deutlichen Eingriff in das Profil der Universität darstellt. Von Seiten der Partei Bündnis 90/Die Grünen wurde zu Recht festgestellt, dass seit 1996 an der MLU ausschließlich „Profildiskussionen“ unter Kürzungszwang geführt wurden. Dies muss nun ein Ende haben! Auch DIE LINKE betont, dass eine Profildiskussion wichtig und notwendig ist, dass diese aber nicht als Abbaudiskussion geführt werden darf.

Zusätzlich zu diesen strukturverändernden Abbaumaßnahmen, die sich eher an der Ruhestandsplanung von Lehrstuhlinhabern denn an inhaltlichen Kriterien orientieren, sind die damit verbundenen Prozesse und Diskussionen bisher nie transparent und demokratisch gewesen. So betont denn auch die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, dass an der MLU zunächst Demokratiedefizite abgebaut werden müssen, bevor die Ausfinanzierung der Universität diskutiert werden kann. Die Partizipation aller Statusgruppen dieser Universität muss ermöglicht werden! Nur so kann eine Profildiskussion erfolgreich sein. Alle Statusgruppen müssen gemeinsam eine Struktur erarbeiten und der Universität so ein demokratisch legitimiertes Profil geben. Dies kann auch in Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftsrat erfolgen. Anschließend muss die Landespolitik einbezogen werden, um das herausgearbeitete Profil finanziell abzusichern.

Uns ist nicht klar, warum die Politik bisher nicht stärker in die Diskussion einbezogen worden ist. Anstatt auf eine ausreichende Finanzierung hinzuarbeiten, werden durch die Universitätsleitung Kürzungspläne ausgearbeitet. Auch die Landtagsabgeordneten der Fraktionen DIE LINKE, Bündnis90/Die Grünen und SPD teilen unsere Meinung, dass Autonomie der Hochschule nicht ausschließlich Autonomie zur Selbstbeschneidung sein darf. Das Land und insbesondere die Ministerin für Wissenschaft und Wirtschaft müssen in die politische Verantwortung genommen werden. Die Universitätsleitung ist hier gefordert, dies mit Nachdruck einzufordern.

Die Zielvereinbarungen für 2011 bis 2013 wurden unter der Maßgabe abgeschlossen, dass die Hochschulen Studienplätze entsprechend dem derzeit gültigen Hochschulstrukturplan des Landes vorhalten. Das bedeutet, dass die Martin-Luther-Universität 13.700 Studienplätze anbietet. Die Realität ist aber seit Jahren eine andere: Die Zahl der Einschreibungen liegt bei über 20.000. Vor diesem Hintergrund sind Kürzungen im personellen Bereich inakzeptabel! Vielmehr sind zusätzliche finanzielle Mittel notwendig, um die Lehre adäquat absichern zu können. Die MLU läuft seit Jahren mit Überlasten, worunter Forschung und Lehre bereits jetzt massiv leiden.

Für eine Normalauslastung, die dem aktuellen Budget entspricht, müssten die Studierendenzahlen stark gesenkt werden. Dies darf weder Ziel der Hochschule noch des Landes sein, da Sachsen-Anhalt junge Bürgerinnen und Bürger sowie gut ausgebildete Fachkräfte braucht, um zukünftigen Anforderungen gerecht zu werden! Eine Schwächung der Universität bedeutet auch eine wirtschaftliche und kulturelle Schwächung der Stadt Halle und des südlichen Sachsen-Anhalts!

Nach Ansicht von Ministerin Wolff erklärt sich das derzeitige strukturelle Defizit aus einem früheren, nicht ausreichend umgesetzten Stellenabbau. Dieser war und ist aber nie möglich gewesen, da das Personal dringend benötigt wird, um den laufenden Betrieb abzusichern. Die Tatsache, dass wir schon jetzt in einigen Fachbereichen ein enormes Defizit in der Lehre haben, zeigt, dass bereits die Stellenabbau-Pläne aus 2004 völlig an der Realität vorbeigingen. Alles in allem kann dies nur zu dem Schluss führen, dass das vom Land vorgegebene Budget für eine Volluniversität zu knapp bemessen ist.

Die Schließung der Ingenieurwissenschaften zum 01.09.2006 hat nicht zu einer Verbesserung von Studien-, Lehr- und Forschungsbedingungen geführt!

 

So wie die einzelnen Statusgruppen der Martin-Luther Universität fordert auch der Landtag mehr Transparenz und offene Gespräche zur Profil- und Strukturdebatte der Universität. Niemandem unter den Studierenden bzw. Beschäftigten der Universität oder in der Politik ist im Übrigen wirklich klar, warum über die Stellenkürzungen entschieden werden soll, bevor überhaupt ein abschließender Bericht des Wissenschaftsrates vorliegt geschweige denn eine echte Profildiskussion geführt werden konnte.

Die Landtagsabgeordneten haben eine klare Handlungsempfehlung gegeben: Zuerst muss eine Entscheidung über das Profil der Martin-Luther-Universität getroffen werden, ehe auch nur eine Stelle in Frage gestellt werden kann! Eine Profildiskussion kann wiederum erst nach einer Einbeziehung der Ergebnisse der Begehung der MLU durch den Wissenschaftsrat abgeschlossen werden.

Das Aktionsbündnis fordert Sie und die übrige Universitätsleitung deshalb auf:

1. Von der Erarbeitung und Vorlage weiterer Kürzungspläne abzusehen.

2. Eine echte, ergebnisoffene und in erster Linie inhalts- denn budgetorientierte Profildiskussion an der MLU zu initiieren.

3. Diese Profildiskussion muss alle Statusgruppen der MLU einbeziehen, demokratisch und transparent geführt werden.

4. Die Profildiskussion bedarf zudem eines angemessenen Zeitrahmens. Den bisherigen Druck durch die Androhung von Kürzungen lehnen wir ab!

Lassen Sie uns gemeinsam dafür eintreten, dass das Budget an die Struktur, die diese Profildiskussion nach sich zieht, angepasst wird und nicht die derzeitige Struktur an das vorhandene Budget!

Aktionsbündnis MLU – Perspektiven gestalten!

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