Die Stellungnahme der studentischen Senatoren zum „Strukturkonzept“ des Retorate

1. Wir kritisieren das Verfahren, in dem die Senatsvorlage erarbeitet wurde. Studierende sind in einem unzureichendem Maße in die Diskussion einbezogen wurden, die hauptsächlich mit den Dekanen im „Hinterzimmer“ geführt wurde. Die reine Vorstellung und Erläuterung des Konzepts gegenüber Studierenden, ohne dass das Konzept schriftlich vorgelegt wurde, ist nicht ausreichend.

2. Daraus ergibt sich für alle weiteren Diskussionen und Maßnahmen: Sie sind offen und transparent und unter Beteiligung von Studierenden in studentischen und Hochschulgremien zu führen. Insbesondere sind die Studierenden, sofern das Konzept durch den Akademischen Senat bestätigt wird, in den fakultätsübergreifenden Kommissionen aber auch bei den Unterarbeitsgruppen des Wissenschaftsrates einzubeziehen.

 

3. Das vorgelegte Konzept ist zu unkonkret. Das gilt insbesondere für die unkonkret, lediglich auf die Fakultäten bezogenen Einsparpotentiale von Professuren. Offensichtlich sind die Absprachen in einigen Bereichen so weit fortgeschritten, dass konkrete Professuren klar sind. Wenn dem so ist, dann ist der Akademische Senat über genau diesen Verhandlungsstand in Kenntnis zu setzen und nicht mit wagen, unkonkreten und unaktuellen Informationen abzuspeisen.

 

4. Bevor die Universität selber über Kürzungen diskutiert, fordern wir von der Politik eine klare Ablehnung, dass sie die Universität nicht bei der Behebung des strukturellen Defizits unterstützt. Es ist fraglich, ob die Politik, die Probleme, die wir momentan diskutieren, überhaupt sieht.

 

5. Wir sehen ebenfalls die Problematik der „kleinen“ Fächer und daraus folgend Handlungsbedarf in diesem Bereich. Wir fordern aber eine Konkretisierung, um welche Fächer es sich handelt. Außerdem muss die Zusammenarbeit mit den Universitäten Jena und Leipzig konkreter gemacht werden: Wie steht es tatsächlich um eine Zusammenarbeit im Universitätsverbund in den kleinen Fächern und welche Fächer betrifft das genau?

 

6. Zum Thema der Überlast-Bereiche folgen wir zwar der Grundargumentation des vorgelegten Konzepts, dass diese nicht per se profilbildende Wirkung haben, verlangen aber, dass diese Bereiche vorübergehend nicht zur Disposition gestellt werden. Kürzungen in diesen Bereichen führen zu einer Verschlechterung der Studienbedingungen.

 

7. Den ein- und vorgeschlagenen Weg, die sog. „Strukturanpassungen“, d.h. Beschlüsse über nicht wiederzubesetzende Stellen in den nächsten Monaten, konkret 50% dieser Anpassungen bis zum Dezember, zu beschließen, lehnen wir ab. Die Finanzsituation ist unserer Ansicht nach nicht so akut, dass wichtige Entscheidungen planlos und als Schnellschuss getroffen werden müssen. Man kann nicht erst Strukturen anpassen und dann über das Profil diskutieren. Es ist genau der falsche Weg, jetzt unter Zeitdruck Nicht-Wiederbesetzungen zu beschließen und dann vielleicht, vor allem in Anbetracht der Wissenschaftsratsbegutachtung oder den Verhandlungen über die Zielvereinbarungen, festzustellen, dass dies nicht die richtigen Entscheidungen waren.

 

Stattdessen fordern wir, innerhalb des nächsten Jahres eine Profildiskussion zu führen. Diese geht nicht von vorne herein von Stellenkürzungen aus, die momentan angesichts der Diskrepanz zwischen den Studierendenzahlen, für die die Universität ausgelegt ist, den tatsächlichen Studierendenzahlen und der daraus folgenden massiven Überlast absurd erscheinen. Die Profildiskussion mündet in eine Profilierung und in eine Strukturanpassung. Dabei soll die Universität mit ausreichend Zeit, auf einer umfangreichen Informationsbasis, besonders unter Berücksichtigung der Studienbedingungen und unter Beteiligung aller Statusgruppen über das Profil diskutieren.

 

8. Daraus ergibt sich für die Frage des Moratoriums, also der Ausschreibung von Professuren: Offene Stellen sind auszuschreiben, wenn sie für die Aufrechterhaltung der Lehre akut notwendig sind. In einem ersten Schritt der Profildiskussion sind Bereiche herauszuarbeiten, die als „sicher“ gelten. Dadurch können zügig weitere Professuren ausgeschrieben werden. Um eben die Profildiskussion nicht vorwegzunehmen, kommen auch befristete Professuren in Frage.

Angesichts der von uns dargestellten Einwände lehnen wir das vom Rektorat vorgelegte Strukturanpassungskonzept ab.

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