offener brief der studentischen mitglieder des akademischen senats

Offener Brief der studentischen Mitglieder des Akademischen Senats der Martin-Luther-Universität Halle zum Bildungsstreik 2009

Die Situation, in der sich die Universität und die Studierenden befinden, ist uns bekannt. In den letzten Tagen wurde hierzu viel berichtet und informiert, vor allem wurde durch die Studierenden auf maßgebliche Probleme aufmerksam gemacht. Dies zu ignorieren wäre falsch, auch wenn die Betrachtung darüber hinausgehen muss. Aber nicht alle Kritikpunkte sind neu, man denke nur an die letzten Bildungsstreiks im Jahre 2003/04 oder davor. Und auch die studentischen Interessenvertreter arbeiten schon lange für Verbesserungen im Bildungsbereich an genannten Stellen.

Die Einführung des Bachelor- und Masterstudiums hat oftmals die Erwartungen und Intensionen nicht erfüllt, die hiermit gewünscht wurden. Dies hat verschiedene Ursachen und ist mehr als nur eine Frage des Geldes. Viele Probleme liegen auch in den Studienordnungen begründet, bieten also Spielraum zum Gestalten. Hier ist das Engagement aller Beteiligten der Universität gefragt die weiteren Bedingungen zu erarbeiten und umzusetzen.

Daneben stellt die monetäre Situation der Universitäten und Hochschulen ein großes Hindernis da. Es ist zwar verständlich, dass bei sinkenden Einnahmen die Ausgaben überdacht werden müssen, aber der Unterhalt von Bildungseinrichtungen ist mehr als nur eine Ausgabe, es ist vor allem eine Investition in die Zukunft. Finanzielle Einsparungen an Lehre, Bildung und Forschung müssen somit genau abgewogen werden und dürfen nicht auf Kosten der Studierenden gehen. Immerhin ist zu sehen, dass die die aktuelle Bundesregierung versucht die Bildung zu stärken, weitere Anstrengungen sind aber nötig.

Der Ist-Stand zeigt aber, dass an UNS gespart wird, nämlich am offensichtlichen Personalmangel und am Mangel von Studien- und Lehrangeboten. Diese Situation ist nicht hinnehmbar und der studentische Streik somit mehr als gerechtfertigt.

Wenn ein Streik aber seine Ziele aus den Augen verliert, verliert er auch seine Rechtfertigung. Im schlimmsten Fall wird er gar zum Gegenpol seiner eigenen Ideen.

Ein unfriedlicher Streik, der zum „Steine werfen und besetzen“ auffordert, – ein Streik, der die Bildung und Lehre dahingehend blockiert, dass diese lahmliegt, ist so ein Fall! Ein Bildungsstreik darf eben nicht die ureigensten Interessen der Studierenden, nämlich ihre Bildung, behindern, sondern er muss diese nachhaltig fördern und weiterentwickeln. Ein Bildungsstreik ist somit ein Streik für eine bessere Bildung, jedoch kein Urlaub von dieser.

Ebenso können und dürfen wir als Studierende den „schwarzen ‚Bildungsmisere‘-Peter“ nicht der Universitätsleitung, der Landesregierung und den Ministerien, den SenatorInnen, ProfessorInnen und Mitarbeitern zuschieben. Zwar gibt es auch hier Verbesserungsmöglichkeiten, aber viele stellen sich in den Dienst für die Bildung und Lehre, sie stellen sich in den Dienst für die Universität und in den Dienst für die Studierenden.

Auch wir Studierende sind für viele Faktoren der Ausbildungsqualität in unserem Studium mitverantwortlich. Z.B. ist das hochschulpolitische Interesse und Engagement von den Studierenden ausbaufähig, denn eine Beteiligung der Studierenden in den akademischen Gremien ist mangelhaft. Seit Jahren wird dies durch die schwachen Wahlbeteiligungen zu den akademischen Gremien deutlich, auch wenn es glücklicherweise bei der letzten Wahl wieder ein größeres Interesse gab. Das Mitspracherecht der Studierenden wird dennoch zu wenig genutzt. Es gibt z.B. immer wieder Probleme studentische Vertreter für Senatskommissionen zu finden. Zu wenige Engagierte nutzen das studentische Mitspracherecht wenn es darum geht, wie sich die Universität ausrichten und strukturieren soll. Ein gutes Beispiel ist das Gebiet von Studien- und Prüfungsordnungen zu den Ba/Ma-Studiengängen.

Da, wo die Studierenden darüber mitbestimmen können, wie IHRE Ausbildung stattfinden soll, ist das geringste studentische Interesse und Engagement zu verzeichnen.

Hier kann mehr – viel mehr – studentisches Engagement von EUCH Studierenden erwartet werden!

An dieser Stelle muss jedoch der Mut und das Engagement von Studierenden zu einem friedlichen Streik hervorgehoben werden, die sich sonst wohl nicht trauen ihre Rechte einzufordern. Denn wenn sich viele für ihre Rechte stark machen kann etwas bewegt werden! Solches Engagement ist begrüßenswert.

Es müssen nun Wege und Verhandlungen zur Verbesserung der Bildung und Lehre für die Studierenden an den Universitäten gefunden werden – und zwar sofort mit konstruktiven Lösungsansätzen und positiv für alle Betroffenen!

Aber auch hier muss an die Streikenden appelliert werden:

Streikt friedlich und im Sinne der Studierenden, sodass wir Studierenden und Mitglieder der Universität keinen Schaden erleiden!

Habt auch nach dem Streik den Mut und das Engagement die Verhandlungsinhalte – eure Rechte – umzusetzen! Nutzt wieder euer hochschulpolitisches Mandat und bewegt die Uni in eurem Sinne!

Denn dies ist die schwierigste, aber auch wichtigste Aufgabe. Hier sind wir Studierenden besonders gefordert!

Hierin zeigt sich unsere Verantwortung für uns, – für die zukünftigen Studierenden

– und unsere gemeinsame Verantwortung für unsere Martin-Luther-Universität!

Vivien Müller Sebastian Kohler Sebastian Wornien

Mitglieder im Akademischen Senat der Martin-Luther-Universität

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