Neue Kürzungen im Bibliotheksbereich / Ortsleihe der ULB wieder mit regulären Öffnungszeiten

In den letzten Jahren haben massive Interventionen studentischer Initiativen und des Studierendenrates schon zweimal Kürzungen bei den Öffnungszeiten der Universitäts- und Landesbibliothek und ihren Zweigbibliotheken verhindert. Zeitweilig waren starke Einschränkungen geplant, manche Zweigbibliotheken sollten in der Woche zwei bis drei Stunden früher schließen oder – etwa die Zweigbibliothek in den Franckeschen Stiftungen – am Wochenende ganze Tage streichen. Informell und öffentlich wurde während der Auseinandersetzungen vonseiten des Rektorats die Einschätzung der ULB-Leitung, der Studierendenschaft und ihrer Vertreter und der Bibliothekskommission der Universität mit Vertretern aller Fakultäten wieder und wieder bestätigt: Es sei nicht nur richtig, dass der Literaturetat der Bibliothek seit Jahren unterfinanziert und nicht auskömmlich sei, sondern auch, dass der status quo bei den Öffnungszeiten der Bibliothek und ihrer Zweigbibliotheken ein Mindeststandard sei, der gehalten werden müsse:
In diesem Sinne wird nun bei der „Ortsleihe“, einer der wichtigsten Schnittstellen der ULB im Zentralgebäude August-Bebel-Straße, zumindest dieser status quo der letzten Jahre wieder hergestellt – zum Teil auch eine Folge unserer Hartnäckigkeit gegenüber den Verantwortlichen.

Als nun für den Semesterbeginn neue, starke Einschränkungen in der Bibliothek Ethnologie/Vorderer Orient angekündigt wurden, sorgte das für einige Überraschung. Sind die neuen Kürzungen doch ein Versuch, genau den in den letzten Jahren zugesicherten Mindeststandard nun im Bereich der Zweigbibliotheken anzurühren und widersprechen sie doch den couragierten Aussagen des Rektors der letzten Tage, die die volle Unterstützung auch der Studierenden fanden.

Für Nutzer, Studierende und MitarbeiterInnen sind vor allem die nun aufgrund der fehlenden Mittel notwendige Verkürzung der Öffnungszeiten und die Einschränkung der Aushebungen spürbar, wobei die konkreten Auswirkungen an der Zweigbibliothek Ethnologie/Vorderer Orient als Exempel auch für die fatalen Konsequenzen potentieller Kürzungen in anderen Zweigbibliotheken gesehen werden können:

-Studierende und Mitarbeiter insbesondere von Seminaren des Orientalischen Instituts und des Instituts für Ethnologie können nur noch an den fünf Wochentagen bis 17 Uhr die Räume und den Service der Bibliothek nutzen, wer Seminare hat, an der Uni arbeitet o.ä. hat schlechte Karten, danach noch Literatur abzuholen oder im Lesesaal, etwa mit Handapparaten zu arbeiten. Ähnliches gilt auch für die Mitarbeiter des Max-Planck-Instituts für ethnologische Forschungen, und auch die Gäste, die aufgrund des national und international renommierten und für die Uni Halle einmaligen „Sondersammelgebietes“ der DFG anreisen, das hier angesiedelt ist, können das Angebot nur noch eingeschränkt nutzen. (Der einzige Standort eines „Sondersammelgebietes“ in Halle ist betroffen – zum Zeitpunkt von Verhandlungen über den Weiterbestand auf Bundesebene!)

-Die Nutzer müssen zudem Abstriche bei der Wartezeit für die Bereitstellung von Literatur machen.

Und schließlich:

-Studierende, die nach 17 Uhr Veranstaltungen oder Mitarbeiter besuchen wollen, stehen vor verschlossenen Türen – die Schließzeiten des Universitätsgebäudes sind an die der Bibliothek gekoppelt. Drei Stunden der offiziellen Vorlesungszeit der Universität sind die Türen des Institutsgebäudes (Orientalisches Institut, Seminare für Arabistik, Islamwissenschaft und Christlicher Orient) für Studierende also verschlossen – ein Schildbürgerstreich.

Nach Anfragen von Studierenden, aber auch einiger Mitarbeiter stehen die studentischen Vertreter in der Bibliothekskommission der Uni und der Stura nun in Kontakt mit der Leitung der ULB. Auch das Rektorat Sträter und die zuständige Prorektorin Dräger wurden in der vorletzten Woche kontaktiert – mit einer Erinnerung an ihre eigenen Aussagen der letzten Jahre und der dringenden Forderung, diese unmögliche Situation durch eine erneute Mittelzuweisung zum Erhalt des status quo zu beheben. Eine Antwort des Rektorats an die Studierendenschaft steht seit zwei Wochen aus.

(Text: Hans Goldenbaum, Mitglied der Bibliothekskommission)

 

 

 

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