Lust am Untergang – Die Ideologie der Identitären

Es ist nicht unbedingt leicht, die ideologischen Gemeinsamkeit der „Identitären Bewegung“, deren Name eher Anspruch als Wirklichkeit ist, herauszustellen. Dies liegt zum einen daran, dass diese „Bewegung“ nur schwerlich als solche bezeichnet werden kann, da die einzelnen Gruppen relativ autonom handeln und auf ausformulierte politische Programme verzichtet wird, weshalb gerade die Strategie und auch die inhaltliche Ausrichtung nationaler Organisationen voneinander abweichen können. Trotzdem sollen hier die Identitären in Deutschland und Österreich, sowie ihre Vorbilder aus Frankreich auf einen ideologischen Nenner gebracht werden. Am Ende werden die deutschen Besonderheiten heraus gestellt.

Inhaltsverzeichnis:

  1. Historische Bezüge: Von Sparta nach Spanien
  2. Apocalypse Now: Europas letzte Chance
  3. Ethno-kulturell, jugendlich und natürlich nicht faschistisch
  4. Die anti-elitäre Elite: alles Pöbel, außer Götz
  5. Die Väter der Bewegung: Konservative Revolution 2.0
  6. Fazit: Irrationale Revolte

 

1. Historische Bezüge: Von Sparta nach Spanien

Es ist davon auszugehen, dass historische Bezüge ein Kernelement der Identitären sind, die im Prinzip auch eine geschichtspolitische Bewegung bilden und aus der historischen Betrachtung heraus ihren gegenwärtigen Standpunkt überhaupt erst konstituieren. Deshalb ist ihr gemeinsames Zeichen auch ein historisches: Auf jeder Fahne der Identitären, auf jedem Banner etc. findet sich das „Lambda“, das altgriechische „L“, welches für „Lakedaimon“ (= die Landschaft um Sparta) steht und in einer allgemein verbreiteten Vorstellung Emblem des spartanischen Gemeinwesens war. Damit beziehen sich die Identitären allerdings weniger auf das antike Sparta an sich, sondern eher auf die popularisierte Version in Form der Comic-Verfilmung „300“. Deren Handlung besteht hauptsächlich daraus, dass sich 300 spartanische Hopliten und ein paar griechische Mitkämpfer der großen Übermacht des persischen Heeres entgegenstellen. Auch wenn der Film hauptsächlich aus recht einfachen Kampfszenen besteht und kaum inhaltliche Anknüpfungspunkte für eine politische Gruppe bieten sollte, gibt es doch mehrere Gründe dafür, dass „300“ so ein wichtiger Bezugspunkt wurde:

Es werden einfache Feindbilder geboten. Der spartanische König Leonidas ist gerecht, ehrlich, stark und natürlich und damit das absolute Gegenteil des persischen Großkönigs Xerxes, welcher das Heer der Perser kommandiert. Während Leonidas seine Heimat beschützt, die Traditionen beachtet und sich auf rohe Muskelkraft verlassend mit seinen Kameraden todesmutig den Zehntausenden der „asiatischen Horden“ entgegenstellt, ist Xerxes effeminiert, trägt Goldschmuck, benutzt Technik und List und setzt auf die Massen und nicht auf den Heldenmut des Individuums. Der sich in den Individuen widerspiegelnde Konflikt kann von den Identitären leicht auf eine ethnische Gruppe übertragen werden, was dazu führt, dass sich der degenerierte, hinterhältige, Xerxes-hafte östliche Kulturkreis in Form des persischen Vielvölkerheeres und der europäisch-abendländische Kulturkreis um Leonidas gegenüberstehen. Am Ende des Films deutet sich auch an, warum der Film für die selbsternannte „Generation Identitär“ so prägend sein könnte: Leonidas und seine tapferen Mitstreiter werden durch Verrat ermordet, wobei ihr Opfer am Ende dazu beiträgt, den Rest Griechenlands im Sinne einer Volksgemeinschaft zu vereinigen und die Perser zurückzuschlagen. Die identitäre „Lust am Untergang“ findet sich gerade in dieser affirmativen Haltung zum Märtyrerkult.

Trotz geringerer popkultureller Bearbeitung finden sich viele dieser Motive auch in dem zweiten großen historischen Motiv der Identitären. Auch wenn sie dabei über 1000 Jahre überspringen, vergleichen sie ihren Kampf um die Identität nicht nur mit einem vermeintlichen griechischen Abwehrkampf, sondern auch mit der „Reconquista“ (spanisch für „Rückeroberung“). Als solche bezeichneten christliche Akteure im mittelalterlichen Spanien die Eroberung des Gebietes, welches ab 711 im Zuge der sogenannten „islamischen Expansion“ in die Hände mehrheitlich islamischer Kräfte gelangt war. In der Forschung ist es zwar umstritten, ob die Motive der Konfliktparteien tatsächlich religiös dominiert waren oder ob es sich nicht eher um normale regionale Scharmützel zwischen Fürsten handelte, den Identitären geht es aber wieder um die Idee einer europäischen Gemeinschaft, die sich –wie die Spartiaten- gegen fremde Invasoren richtet. Der imaginierte Feind tritt hier nicht in Form eines dekadenten Perserheeres auf, sondern als muslimischer Ansturm aus der Wüste, der sich einfach so christliches Land klaut und dort die „ethno-kulturelle Identität“ der christlichen Bevölkerung bedroht. Tendenziell passt der Reconquista-Mythos noch besser zum Weltbild der Identitären, da die Invasion bereits stattfand und dagegen gehandelt wurde, während die Helden im Film „300“ den Feind am Betreten des Territoriums der europäischen Gemeinschaft noch zu hindern versuchen. Die Tatsache, dass sich unter dem Motto „Europa – Jugend – Reconquista“ für den Kampf vorbereitet wird, sagt allerdings einiges über die Identitären aus, endete diese 1492 doch damit, dass fast alle Jüdinnen*Juden und Muslim*innen aus dem „wiedereroberten“ Spanien vertrieben wurden.

Besonders lächerlich wird das identitäre Verhältnis zur Geschichte aber in Halle. Als am 19. Juli 2015 über “europäische Verteidigungsmythen” diskutiert werden sollte, dehnten die Identitären den Begriff des Mythos etwas zu stark aus. Neben dem Bezug auf die üblichen griechischen und spanischen Motive, wurde die Szenerie aus dem “Herrn der Ringe” als Beweis für den europäischen “Abwehrkampf” gegen die “dunklen Massen” aus Süd und Ost. Auch erkennen die rechten Jung-Intellektuellen in all ihrer kognitiven Brillanz eine Parallele zwischen der “Volksverräterin” Merkel und dem abtrünnigen Zauberer Saruman. Wir erkennen hier, dass die Identitären offensichtlich ein Maß an Ideologisierung und Dehumanisierung vermeintlicher Feind*innen erreicht haben, welches sie ohne Zweifel immer wieder zum Zwergenhammer und sonstigen Gewaltmitteln greifen lässt.

2. Apocalypse Now: Europas letzte Chance

Trotz dieser für die Identitären ja durchaus positiv endenden Beispiele „Reconquista“, “Herr der Ringe” und „Sparta“ ist der Grundton der Kamerad*innen eher düster. Bei der letzten größeren Aktion am 6.6.15 in Wien ging es darum, vor dem „großen Austausch“ zu warnen, der angeblich gegenwärtig stattfände. Dieser Austausch sei das „bekannteste Geheimnis unserer Zeit“, weshalb die Identitären auf der eigens dafür eingerichteten Seite auch sehr pathetisch erklären, dass sie nun das Schweigen brächen etc. Eigentlich meint der Begriff aber nur die von allen Nazi-Gruppen thematisierte „Masseneinwanderung“ und „Überfremdung“, wobei die Identitären das als geplanten Austausch der ethnischen österreichischen Bevölkerung darstellen und die „Eliten“ aus Politik und Wirtschaft dafür verantwortlich machen.

Grundsätzlich handelt es sich dabei um ein recht gebräuchliches Motiv: Schuld an der Misere seien gar nicht die Migrant*innen an sich, sondern die korrupte und dekadente Elite, die die „Anderen“ missbrauche, um das eigene, angestammte Volk zu zerstören, damit es leichter falle, dieses zu kontrollieren, auszubeuten, zu unterdrücken. Nichts anderes hört man bei allen neueren rechten Revolten, seien es Montagsmahnwachen oder Pegida- Aufmärsche. Was unter Umständen als neu angesehen werden könnte, ist die starke Betonung des „jetzt oder nie“, welche sich zum Beispiel darin niederschlägt, dass das Symbol für die Demonstrationen gegen den „Austausch“ eine Sanduhr ist oder in so ähnlich immer wiederkehrenden Formulierungen wie „wenn wir uns jetzt nicht wehren, wird es keine Österreicher mehr geben“. Ähnliches findet sich auch in einem YouTube-Video, welches manchmal als Gründungsdokument der neueren Identitären bezeichnet wird.

Dort stellt die französische „identitäre Generation“ ihr Wirken vor und verweist z.B. darauf, dass sie die Generation seien, die „für eine Zigarette, für einen falschen Blick“ etc. umgebracht würde, die unter „anti-weißem Rassismus“ zu leiden haben und sich in einem System befinde, welches aufgrund ethnischer und ökonomischer Spannungen kollabiere. Der Grundtenor bei beiden Formaten ist, dass die eigene Sache eigentlich auf verlorenen Posten sei, die Uhr ticke, der endgültige und unumkehrbare Zusammenbruch absehbar sei und diejenigen, die überleben und nicht dem großen Austausch zum Opfer fallen wollen, sich jetzt und sofort für die identitäre Sache engagieren müssten. Dazu passen auch die historischen Bezüge, über die sich die Identitären wie oben angezeigt oft definieren: Sie leben jetzt in Zeiten der apokalyptischen Endschlacht, genau wie die Spartaner oder die Christen damals und werden durch die gemeinsam bestehende Mission des Kampfes gegen die Eliten und die Muslim*innen erst zu einer Generation kämpfender Jugendlicher, die in der modernen und individualisierten Welt ansonsten nichts verbindet. Mit der „ethno-kulturellen“ Identität ist es ohne Feindbild eben doch nicht so weit her.

Das zeigt sich besonders gut in dem derzeitigen Kampf um menschenwürdiges Asyl in Kombination mit dem halleschen Ableger. “Kontrakultur Halle” sieht mit Pegida und Co. einen “Deutschen Herbst” kommen, möchte sich an einem Notfallprogramm für nationale Reinheit, einem “Greenpeace für Deutschland” beteiligen, warnt zB davor, dass Halle- Neustadt bald verloren sein wird und macht aus Angst vor kommenden Konfrontationen und für bessere politische Kommunikation öffentlichkeitswirksam Kampfsport. Wörtlich machen sie natürlich nicht nur das, sondern weisen pathetisch darauf hin, dass ihre Leute zu einem “wehrhaften” Lebensstil erzogen würden. Hier zeigt sich das die Analyse der “Endschlacht” eben immer damit einhergeht, politisch auch in die Schlacht zu ziehen. Dementsprechend ist es kein Wunder, dass sich eben menschenfeindliche Gewalttäter, wie die im Text von “No Kontrakultur” jeweils genannten, von so einer Gruppierung angezogen fühlen.

3. Ethno-kulturell, jugendlich und natürlich kaum faschistisch

Wie die Identitären selbst erklären, sind sie natürlich nicht rassistisch oder gar NS-affin. Vielmehr machten sie nur ihr Grundrecht auf Identität gelten und vergleichen sich deshalb auch gerne mit „Indianern“, denen mit eigenen Reservaten ja ebenfalls das Recht eingeräumt würde, ihre eigenen Traditionen und Gebräuche beizubehalten. Bei Facebook drückt die „Identitäre Bewegung“ dies mit einem Bild aus, welches eine klischeehafte, mit Federn bestückte Kopfbedeckung neben einen antiken Helm griechischer Hopliten zeigt. Dieser Vergleich ist zwar rassistischer Unsinn und ignoriert den historischen und gesellschaftlichen Kontext beider Situationen völlig, allerdings ist er nicht schlecht gewählt. In einem Land, in dem romantisierende Stereotype über „Indianer“ schon in der Kindertagesstätte eingeimpft werden, ist es dank falsch verstandener Solidarität mit „unterdrückten und exotisch- spannenden Kulturen“ ein Leichtes, mit solchen Vergleichen Sympathie zu evozieren.

Darüber hinaus ist das Bild nicht nur taktisch motiviert, sondern gibt ein Kernelement der identitären Ideologie wieder. Die Bewegung versteht sich nicht als imperialistisch, rassistisch oder faschistisch, weil sie dem Rest der Welt weder die Überlegenheit des eigenen Modells aufzwingen will, noch von der prinzipiellen Unterlegenheit als anders definierter Menschengruppen ausgeht (zB „white supremacy“, „Herren- vs. Untermensch“) und deshalb auch keinen offenen Vernichtungsphantasien anhängt. Die Identitären verzichten deshalb darauf überhaupt von Rasse und „Blut und Boden“ zu reden oder sonstige klar völkische Terminologie zu verwenden, weshalb zumindest in Verlautbarung von Funktionär*innen und Facebook-Seiten auch darauf verzichtet wird, politische Gegner*innen als Ratten oder Schädlinge zu bezeichnen, wie es bei vielen faschistischen Gruppen recht üblich ist. Die identitären betonen sogar, dass sie andere Kulturen wertschätzten, solange sie ihre eigene nicht bedrohten, was im Klartext heißt: Ausländer*innen sind gut, wenn sie woanders sind/ uns nicht bedrohen, da sie nicht einwandern.

Trotz dieser Unterschiede ist die identitäre Bewegung allerdings nicht harmloser als die traditionell faschistische, da die „ethno-kulturelle Identität“ als Synonym für die alten Begriffe fungiert. Während die (alten) Nazis eben Angst vor der „Rassenschande“ haben, manche Gruppen als naturgemäß minderwertig oder parasitär und hinterhältig ansehen und meinen ohne „Lebensraum im Osten“ nicht mehr lange existieren zu können, verlagern die neuen Kamerad*innen ihre politische Paranoia auf die Ebene der „Kultur“, die ähnlich konstruiert ist wie die „Rasse“, wobei diese „Kultur“ kein selbst gewähltes, sondern ebenfalls oktroyiertes Merkmal ist. Tatsächlich sollen beide Begriffe durch willkürliche Merkmale eine Gruppenzugehörigkeit definieren, welche von jedem nun herbeidefiniertem Mitglied der Gruppe Solidarität mit den Verteidigungsbemühungen gegen die „Fremden“ verlangt.

Da sich neu und alt in ihrem Rassismus wenig unterscheiden und ihn nur anders begründen, würde das Aufkommen der Identitären eigentlich keine Veränderung antifaschistischer Politik verlangen. Dummerweise können sie an einen gesellschaftlich vorhandenen Diskurs anknüpfen, der unter den Begriffen „Multikulturalismus/Multi-Kulti“, „Ethnopluralismus“ oder „kollektive Identitäten“ ähnliche Vorstellungen enthält und teilweise legitimiert, was gerade beim Punkt „Multi-Kulti“ auch linkspolitischen Kräften zu denken geben sollte. Hier liegen die Gemeinsamkeiten zwischen Multikulturalist*innen und Identitären darin, dass beide oft dem Kulturalismus anhängen, also Menschen über ihre Kultur definieren und politische Entscheidungen damit begründen. Ein Beispiel dafür wären Streitigkeiten um die öffentliche Präsenz als islamisch definierter Symbole. Die Multi-Kulti-Fraktion begründet das Recht zum Bau von Moscheen oder zum Tragen von sogenannten „Kopftüchern“ gerne damit, dass die „islamische Kultur“ zur multikulturellen Gesellschaft bzw. „der Islam zu Deutschland“ gehöre, während die Identitären mit dem Hinweis darauf, dass der Islam eben fremd sei, die Zuwanderung von Muslim*innen beenden wollen. Beide Gruppen definieren Individualrechte über kulturelle Fragen; der Grund für das Recht auf Tragen einer Kopfbedeckung ist nicht das persönliche Recht auf Selbstbestimmung, sondern die Kultur und die Ausweisung von Muslim*innen erfolgt nicht, weil ihnen persönlich etwas vorzuwerfen wäre, sondern weil sie – ob sie wollen oder nicht- Repräsentant*innen ihrer Kultur sind bzw. von Identitären und Multikulturalist*innen gleichsam dazu gemacht werden.

Hierbei sei aber angemerkt, dass Erstere dem Ethnopluralismus deutlich näher stehen, der oft explizit als Alternative zum Rassismus genannt wird. Er geht ähnlich wie der Multikulturalismus ebenfalls von der Bestimmung des Menschen über die Kultur aus, gelangt aber zu anderen Schlussfolgerungen. Die Kulturen müssten überleben, was nur durch Separation funktioniere, wobei dieses Überleben wichtig sei, da die ethnische und kulturelle Identität das menschliche Verhalten bestimme. Dabei wird aber nicht unbedingt eine Hierarchisierung zwischen verschiedenen Kulturen aufgemacht, wie es Björn Höcke, AfD-Chef von Thüringen, in seinen rassistischen Worten ausdrückte: Der Islam „hat eine Heimat“ und könne dort die “uneingeschränkten Entfaltungsmöglichkeiten beanspruchen, die wir ihm gerne zugestehen“ (aus der Identitären-Zeitschrift „Sezession“,Juni 2015).

Beim Punkt „kollektiver Identitäten“ finden sich –man sollte es beim Begriff vorhersehen können- ebenfalls Anknüpfungspunkte zwischen identitären und linken Positionen. Während die Identitären in ihrem Publikationsorgan „Identitären Generation“ ihren Vordenker Dominique Venner (mehr dazu unter „Die Väter der Bewegung“) zustimmend mit den Worten „Es ist eine Konstante der Geschichte: Identität wird aus der Bedrohung durch das ‚Andere „geboren.“ zitieren, wirbt die als Postmarxistin angesehen Chantal Mouffe in der Taz für einen neuen „Linkspopulismus“, der sich auf die Erkenntnis stützen solle, dass eine kollektive Identität geschaffen werden müsse, wozu „ein ‚wir„ von einem „sie„ unterscheidbar“ gemacht werden muss”. Beide Ansätze gehen erstens davon aus, dass sich kollektive Identitäten über Feind*innen konstruieren und fordern zweitens, dass diese Realität angenommen und der Prozess aktiv eingesetzt wird. Das bedeutet natürlich nicht, dass Chantal Mouffe ein Menschenfeindin und Reaktionärin wie Dominique Venner ist, aber durchaus, dass die identitäre Weltanschauung eine diskursive Grundlage hat, die über die eigene Szene hinausgeht und gut zur post-modernen Ideologie passt, die die Ablösung universalistischer Ansätze durch relativistische und kulturalistische/identitäre fördert. Wenn eine Idee, deren Zeit gekommen ist, tatsächlich nicht aufzuhalten sein sollte, dann werden die Identitären in dem akademischen Bereich ein weiterhin bestehendes und sich erweiterndes Problem sein.

4. Die anti-elitäre Elite: alles Pöbel, außer Götz

Wie oben beschrieben, haben die Identitären eigentlich keine von den „normalen Nazis“ unterscheidbaren Analysen oder Ziele, was die Frage aufwirft, warum es sie als einzelne Gruppe überhaupt gibt, wenn bis jetzt keine ideologischen Streitigkeiten aufgetaucht sein sollten. Dies lässt sich allerdings mit einem Blick auf einen weiteren Kernbestand der Ideologie und auch den Habitus der damit verbundenen Personen erklären. Es handelt sich bei den Identitären nämlich um die paradoxe Erscheinung einer „anti-elitären Elite“. Sie pflegen ähnlich wie Pegida, Hogesa, die Montagmahnwachen und Co. einen ausgesprochenen Hass auf „die da oben“. Deshalb erklärten die Identitären in Österreich auch zu dem bereits erwähnten angeblichen „großen Austausch“, dass „nicht die, mit denen wir ersetzt und ausgetauscht werden, unsere Gegner [sind], sondern die, welche den Großen Austausch vorantreiben: unsere eigenen multikulturellen Politiker, Journalisten, Professoren, und Wirtschaftstreibenden.“ Diese Annahme ist einerseits wichtig für ein rassistisches Weltbild, welches „den Moslem“ eher als Wilden darstellt, der

dementsprechend ohnehin zu dumm für einen so genial angelegten Plan wie den Austausch der kompletten österreichisch-„stämmigen“ Bevölkerung wäre und andererseits wichtig dafür,

dass mit faschistoiden Kräften über nationale Grenzen hinweg gegen die transnationale und die Identität des jeweiligen „Volkes“ bedrohende Elite gekämpft werden kann. Der Volksverrat beginnt für die Identitären aber schon sehr früh und so wurden in Hamburg und Berlin gerade zu dem Zeitpunkt die jeweiligen SPD-Zentralen besetzt, als in der Partei über die Verschärfung des Asylrechts nachgedacht wurde.

Auch ist die Idee, dass eine kleine Gruppe Schuld am allen Unglück sei und für allgemeines Glück nur ausgerottet werden müsste, fester Bestandteil rechter Ideologie, welche am Ende fast immer auf eine antisemitische Welterklärung hinausläuft. Das ist insofern nichts Neues, als dass sich unter der einstmals progressiven Aussage, die „Grenze verläuft nicht zwischen den Völkern, sondern zwischen oben und unten“ seit Jahren obskur-faschistoide Bewegungen aller Couleur sammeln.

Relativ neu bzw. im Moment vor allem auf die Identitären beschränkt ist dabei allerdings, dass diese selbst einen äußerst elitären Habitus der Massenverachtung zelebrieren und sich dabei im Gegensatz zu den hemdsärmeligen „Wir sind das Volk“-Terrorist*innen als geniale Garde feiern, die den akademischen Elfenbeinturm nicht abfackeln, sondern übernehmen möchte. So ließe sich auch die Aktion an der MLU Halle erklären, die ja nur gegen die vermeintliche Degeneration des Intellektualismus gerichtet war und nicht gegen ihn als solchen. Exemplarisch für diese Haltung stehen darüber hinaus die Personen im Umkreis der Zeitschrift „Sezession“. Dort träumen Autoren wie Götz Kubitschek davon als „Rechtsintellektuelle“ die Diskurshoheit zu übernehmen und rechte Revolutionen zu inspirieren, wobei die Notwendigkeit einer rechten Hegemonie nicht mit dem Pegida- typischen „gesunden Volksempfinden“ begründet wird, sondern eher mit der Degeneration, der Dekadenz und der damit verbundenen intellektuellen Verarmung linken Denkens. Ebenso als Beispiel für den elitären Anspruch kann der identitäre Held Michael Klonovsky gelten, welcher sich nicht nur über „intellektuellen Pöbel“ ereifert, sondern dazu passend erklärt, die „Linke als Politesse des Egalitarismus im Wohlfahrtstaates“ gehöre zu den „erbärmlichsten Erscheinungen der Geschichte“.

Dieser Anspruch der Identitären kann für den Kampf gegen diese zweierlei bedeuten. Zum einen macht es ihn leichter, da die von den identitären verachtete Masse an Pegida- Anhänger*innen weniger Bedürfnis haben wird sich durch mit lateinischen Phrasen aufgelockerten Artikel der selbsternannten Rechtsintellektuellen zu arbeiten, um sich dabei beschimpfen zu lassen (Klonovsky: „Womöglich haben in einem mittelalterlichen Dorf mehr authentische Individuen gelebt als in einer modernen Großstadt.“; ein Motto der Sezession „Etiam si omnes, ego non“, ungefähr auf Deutsch: „Auch wenn alle mitmachen, ich nicht!“).

Zum anderen bedingt der Habitus aber eine ungewöhnliche Akzeptanz innerhalb bürgerlicher Kreise, die antifaschistische Initiativen dagegen erschweren wird. Es ist gegenwärtig üblich, den Faschismus als Phänomen „rechter Dumpfbacken“ (CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer et al.) aus den „unteren Schichten“ abzutun und ihn auf die ostdeutsche Provinz zu beschränken, was sich auch im Extremismusbegriff niederschlägt, der ja bereits ausdrücken soll, dass die faschistischen Probleme von außen kämen und nichts mit der etablierten „Mitte der Gesellschaft“ zu tun hätten. Diese „Mitte“ definiert sich aber nicht über die politische Einstellung, wie zahlreiche Studien immer wieder belegen, sondern über die Ausdrucksformen dieser politischen Meinung, also über die Frage, wie militant (je weniger desto besser) oder elaboriert (mehr Latein = mehr Seriosität) sie vorgetragen wird. Da die Autor*innen des identitären Spektrums etliche intellektuelle Anknüpfungspunkte zu etablierten Denkschulen aufweisen, auf explizite Gewaltandrohungen und Verbalinjurien verzichten und außerdem eine gebildete und eben nicht „dumpfe“ Ausdrucksweise wählen, versagen die Abwehrkräfte der „wehrhaften Demokratie“ völlig und es ist kein Widerspruch, dass die Identitären einerseits hier lebende Muslim*innen (und andere „Fremde“) massiv diskriminieren und implizit deren Ausweisung fordern und trotzdem oft anerkannte Stimmen sind, die in sich in bürgerlichen Medien reproduzieren dürfen. Dass sie dabei teilweise mit der „Elite“ kooperieren, die sie eigentlich bekämpfen, stört beide Seiten höchst selten.

5. Die Väter der Bewegung: Konservative Revolution 2.0

So etwas wie die identitäre Bewegung gab es bereits, wobei die damaligen Vertreter nicht ganz so unbedeutend und klein waren, sondern in den 20er Jahren der Weimarer Republik Teile des bürgerlichen Diskurses dominierten. Deren „konservative Revolution“ resultierte aus einem Unbehagen mit der kapitalistischen Moderne, wobei Liberalismus und Sozialismus als Formen des Umgangs damit abgelehnt wurden. Als strikt bürgerliche Individuen kam für die „Revolutionäre“ natürlich keine Auflösung des Privateigentums in Frage, vielmehr kritisierten sie an Liberalismus wie Sozialismus gleichermaßen die egalitären Tendenzen wie die Forderung nach gleichen Rechten für alle und das „social engineering“ (Umbau der Gesellschaft), welches sich zB im sozialdemokratischen Städtebau, Arbeiter*innenbildungsvereinen, in der Förderung feministischer Initiativen oder dem Internationalismus von linken Gruppen zeigte. Darüber hinaus wandten sie sich aber auch gegen den bestehenden pro-kapitalistischen Konsens von Liberalen oder „alten“ Konservativen, wie sie in der Zentrumspartei existierten (Austeritätspolitik von Reichskanzler Brüning), da sie die Folgen, wie die Bildung von Metropolen, eine „gleichgeschaltete“ fordistische Arbeitsweise und die Entwurzelung des Proletariats (Landflucht) vehement kritisierten.

Sie waren wie viele rechte Gruppierungen für die Vermehrung von Grenzen, sei es zwischen Staaten, Ständen oder Geschlechtern, da sie der Meinung waren, dass die Identität der Gemeinschaft sonst bedroht sei, ohne die das Individuum nur zu einem sinn-, wurzel- und glücklosen Leben verdammt sei. Auch wenn der Beitrag der „konservativen Revolution“ zur Machtübernahme des Nationalsozialismus in der Wissenschaft umstritten ist, ist doch offensichtlich, dass die ideologischen Gemeinsamkeiten, wie die Verbindung von Kapitalismuskritik und Anti-Liberalismus, -Sozialismus, -Egalitarismus (Anti-Moderne), sowie völkisches und ständisches Denken wichtiger Aspekt der NSDAP-Programmatik war. Zusätzlich lässt sich festhalten, dass viele prominente Vertreter nicht nur Stichwortgeber für die Nazis (Arthur Moeller van den Bruck erklärte, dass „am Liberalismus die Völker zugrunde gehen“ und unterstrich die Notwendigkeit eines „Dritten Reiches“ – von den Identitären wird sein Denken als tragisches Opfer des NS gesehen), sondern auch erfolgreich im NS-Regime unterwegs waren. Der Philosoph Martin Heidegger machte sich bei den Nazis durch seine Loyalität zum „Führer“ und wohl auch durch seine Feindschaft gegenüber der Moderne oder seine Menschenfeindlichkeit beliebt, wofür er recht schnell zum Rektor der Universität Freiburg aufstieg.

Allerdings muss erwähnt werden, dass die Nationalsozialist*innen den „konservativen Revolutionären“ nicht ausschließlich wohlwollend gegenüberstanden, der elitäre Habitus, die Massenverachtung und das bürgerliche Stil- und Anstandsbedürfnis der Konservativen, sowie die faktische technische und gesellschaftliche Modernisierung der Gesellschaft in der NS-Zeit trieben immer wieder Keile zwischen beide Gruppen, was die inzwischen regierenden Nazis auch mit Verfolgung beantworteten. Auch wenn letzteres im Moment nicht absehbar ist, sehen wir hier einen Grundkonflikt, der sich auch gegenwärtig um die Identitären abspielt.

Nachdem diese Tradition lange Zeit eher tot war und in den fortschrittsoptimistischeren Jahrzehnten seit den 50er-Jahren gesellschaftlich kaum eine Chance hatte, hat die Weltwirtschaftskrise seit 2008 diese Form der rechten Debatte wieder auf die Tagesordnung gesetzt. Der moderne Nationalstaat scheitert daran, egalitäre Beteiligung zu organisieren und für das per Bürgerschaft definierte „Staatsvolk“ halbwegs gleichmäßige Lebensbedingungen zu organisieren, da die verschärfte Prekarisierung gesellschaftlicher Schichten, die Gentrifizierung bzw. Verarmung von Landstrichen und die neoliberale Entmachtung demokratischer Akteur*innen (Gewerkschaften, Basis von Parteien, Kommunen) im Zuge der allgemeinen Krise voranschreitet. Aufgrund dieser Situation hält die Staatsbürger*innen weder das Vertrauen in staatliche Leistungen, noch die gemeinsame Hoffnung auf sozialen Aufstieg und gesellschaftlichen Fortschritt zusammen, weshalb die Identitären sich etwas herbei konstruieren, was nicht gescheitert zu sein scheint und als Gegenentwurf zur formellen Mitgliedschaft in einem demokratischen Staat angesehen werden kann: die „ethno-kulturelle Identität“.

Neuere Philosophen, die die Identitären dabei aufgreifen, sind vor allem wohnhaft in Frankreich (gewesen) und bezeichnen sich explizit als Vertreter der „neuen Rechten“. Geprägt wurde der Begriff von Alain de Benoist, der erste politische Erfahrungen in der rechtsterroristischen Szene der 50er-Jahre sammelte, und sich im Namen der „Vielseitigkeit“ gegen den Egalitarismus auflehnt. Außerdem will er den Menschen in seinem Kollektiv befreien, in dem er die Universalität der Menschenrechte bekämpft, wobei er –wie seine identitären Jünger auch- ethno-pluralistisch argumentiert, dass die Menschenrechte aufgrund der Verschiedenheit der Kulturen nichts als „Kolonialismus“ wären. Weitere französische Vertreter wären der bereits erwähnte Dominique Venner, der ebenfalls als Rechtsterrorist begann und sich 2013 sehr theatralisch in der Kathedrale von Notre Dame erschoss, um gegen die Gleichstellung Homosexueller und Migration zu demonstrieren und Renaud Camus, der die Phrase vom „großen Austausch“ erfand, wegen rassistischer Hetze verurteilt wurde und, obwohl er früher einmal halbwegs progressiv eingestellt war, eine Invasion der Muslim*innen fürchtet. Gerne würden sich die Identitären auch auf den Schriftsteller Michel Houellebecq beziehen, da sie ihn als anti-muslimischen Rassisten interpretieren (sein Buch „Unterwerfung“ handelt von einem von Muslim*innen eroberten Frankreich), wovon sich der durchaus problematische Autor aber distanziert und der identitären Sezessions-Kopie aus Chemnitz „Blaue Narzisse“ deshalb verbat, seinen Namen für die Verleihung eines „Jugendkulturpreises“ zu benutzen. Alle Autoren sind sich aber einig, dass sie in apokalyptischen Zeiten leben, in denen die Invasion des Islams und die Degeneration des „Eigenen“ kaum noch aufzuhalten scheint. Den Vordenkern, die seit den 50er-Jahren dabei sind, scheint die ständige Gegenwart des Untergangs allerdings besondere Freude zu bereiten.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es in der identitären Szene keine allzu große Heterogenität gibt, da die Inhalte immer wieder um das gleiche Thema kreisen. Jenseits vom anti-modernen Krieg gegen die als solche empfundene Gleichheit und jenseits der Angst vor dem Verlust der Identität, gemischt mit einem sich selbst zugeschriebenen Status als Vordenker, haben diese eben kein Motiv, weshalb es hier auch unnötig wäre, die deutschen Protagonist*innen der Szene aufzuzählen, auch wenn sie bereits genannt wurden. Diese Schablone lässt sich wenig originell auch eins zu eins auf Kontrakultur übertragen: Der Selbstmörder Venner wird als “europäischer Samurai” gefeiert und zustimmend zitiert, es ist den hiesigen Identitären wichtig, ihre kulturellen Ereignisse wie einen “irischen Abend” zu betonen und die üblichen Publikationslisten finden sich unter den “Gefällt mir”-Angaben.

6. Fazit: Irrationale Revolte

Abschließend lässt sich feststellen, dass sich die Identitären zumindest selbst für eine Bewegung halten, die die Jugend aufrüttelt und zum Endkampf, zur Abwehr des endgültigen Untergangs ihrer Identitäten motivieren wird. Dabei ist die Betonung des nahenden Endes und der Verlorenheit der eigenen Position ständiger Begleiter jeder Argumentationslinie, weshalb sie sich nicht gegen linke Umtriebe richten, sondern direkt gegen den „linken Mainstream“ wie ihn der hallesche Ableger an der MLU ausgemacht haben will. Die Identitären halten sich für die wahren Rebellen, die sich gegen die Übermacht stellen, wie es einst die spartanischen Hopliten oder die christlichen Ritter gegen die fremden Großmächte taten. Der identitäre Sieg ist dabei nicht über strukturelle Überlegenheit zu erreichen, sondern über die Opferbereitschaft und den Heldenmut des Einzelnen, weshalb die Bewegung für sich in Anspruch nimmt, das Individuum in den Mittelpunkt zu stellen. Dieses ist aber nur zu retten, wenn seine „ethno- kulturelle Identität“ gewahrt wird. Ein Mensch ohne kulturelle Bezugsgruppe, die über Attribute wie „abendländisch“ definiert wird ist für diese verloren, wurzellos und unterworfen. Die Betonung der Solidarität mit dem „Eigenen“ und der Gegnerschaft gegenüber dem „Fremden“ teilen die Identitären mit ihren faschistischen Kamerad*innen, unterscheiden sich aber in ihrer Ausdrucksweise, die eine ethno-pluralistische ist und keine offen rassistische. Darüber hinaus sind die Identitären als spezielle Erscheinung zu definieren, weil sie Massenverachtung und Elitarismus predigen, der vielen völkischen Nationalist*innen und Nationalsozialist*innen gegen den Strich gehen dürfte, wobei sich auch identitäre Autor*innen nur ungern mit grölenden Schlägern aus der Kameradschaftsszene abgeben dürften, was aber nicht verhindert, dass es personelle Verbindungen gibt.

Die Väter der Bewegung sind die Denker der „Konservativen Revolution“ der 1920er Jahre, die damals bereits ihre Feindschaft gegen den Egalitarismus von Liberalismus und Sozialismus predigten, aber niemals richtig in das nationalsozialistische Milieu inkorporiert wurden. Genau wie ihre Väter nennen die Identitären Probleme der kapitalistischen Gesellschaft und verbinden sie mit sozialen Errungenschaften der Moderne wie (partieller) Rechtsgleichheit, der Entwicklung nicht-nationalstaatlicher Konzepte oder heterogeneren Bevölkerungen. Weil sie die richtige Analyse vertreten, dass der Liberalismus nicht ohne soziale Ungleichheit und Krisen und der Sozialismus nicht ohne eine im Anspruch egalitäre Gesellschaft zu haben ist, wollen sie einen „Dritten Weg“, distanzieren sich aber halbherzig von den historischen Versuchen diesen zu erreichen, welche durch den Faschismus dargestellt wurden. Ob ihnen der Faschismus einfach zu vulgär war oder ob sie keinen Widerspruch darin sehen, eine faschistische Ideologie zu vertreten und die konsequente Umsetzung dieser trotzdem abzulehnen, ist wahrscheinlich nicht endgültig zu klären.

Die historischen Bezüge zu Sparta und Reconquista, sowie die Idee des einsamen Kämpfers im Endkampf lassen auch Rückschlüsse auf die Geschlechterverhältnisse bei den Identitären zu, welche als stark männlich dominierte Gruppe bezeichnet werden können, was sich im männlichen Geschlecht (fast?) aller bekannteren Protagonisten und ihrem massivem Anti-Feminismus zeigt. Die Tatsache, dass es eine „Identitäre Mädelgruppe Edelweiß“ gibt, scheint den Vorwurf eher zu bestätigen als zu entkräften. Allerdings wäre der Frage nach dem Verhältnis zur Geschlechterordnung eigentlich ein eigener ausführlicher Beitrag zu widmen (ähnliches gilt für den Antisemitismus), was an dieser Stelle nicht mehr geleistet werden kann.

Im Endeffekt üben die Identitären die irrationale Revolte gegen die zu kritisierenden Zustände einer kapitalistischen Gesellschaftsordnung, wobei sie ihre Gegnerschaft nicht zu dem System pflegen, welches ihre Revolte erst notwendig macht, sondern zu den progressiven Entwicklung der Moderne, die sie für ihr Unbehagen verantwortlich machen. Deshalb sind die Identitären unbedingt genauso zu bekämpfen, wie ihre Kamerad*innen von der offen faschistischen Front, was vielen bürgerlichen und linken Gruppen leider gar nicht so leicht fallen dürfte, da erstere eigentlich nichts gegen Personen haben, die zwar menschenverachtende Thesen vertreten, aber auf „undemokratische“ Gewaltakte verzichten wollen und sich nett ausdrücken und letztere allzu oft nicht ausreichend gegen die Bildung „kollektiver Identitäten“ plus Feindbild und den Verweis auf die Wichtigkeit der Erhaltung vermeintlich bedrohter Kulturen argumentieren können. Die beste Strategie gegen die Identitären wäre es, die Irrationalität der Bewegung mit einem betonten Universalismus der Menschenrechte und der Gleichheit aller zu kontern. Es gibt kein Recht auf „ethno-kulturelle Identität“, denn Rechte sind für Menschen und nicht für Konstrukte!

(Text: Lukas Wanke – Referent für Innere Hochschulpolitik)

Hinterlasse einen Kommentar

Your email address will not be published.

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>