Kritisch und in eurem Sinne – hochschulpolitischer Newsletter des StuRa

Liebe Studierende,

die aktuellen Diskussionen über die Kürzungen bei den Hochschulen bedeuten gravierende Umstrukturierungen an unserer Uni. So könnten zum Beispiel ganze Studiengänge geschlossen werden. Neuen Schub hat die Debatte durch den Bericht des Wissenschaftsrates bekommen. Wir möchten euch in dieser Mail kurz über die Hintergründe informieren und planen, euch in Zukunft regelmäßig über solche Themen auf dem Laufenden zu halten.

1. Warum wird über Kürzungen diskutiert? Was ist der Wissenschaftsrat?

Der Wissenschaftsrat ist ein Beratungsgremium, das aus Wissenschaftlern, Personen des öffentlichen Lebens und Politikern besteht und die Bundes- und Landespolitik in Fragen der Hochschul- und Wissenschaftspolitik berät. Die Landesregierung von Sachsen-Anhalt hatte den Wissenschaftsrat 2009 um eine Begutachtung ihres Hochschulsystems gebeten. Diese Begutachtung, zu der auch Ortsbesuche gehörten und die durch verschiedene Kommissionen und Arbeitsgruppen des Wissenschaftsrates erfolgte, ist nun abgeschlossen.

Die Bitte um die Begutachtung erfolgte durch die Landesregierung auch vor dem Hintergrund, dass dem Land in den nächsten Jahren weniger Geld zur Verfügung steht. Angesichts dessen hat die Landesregierung Kürzungen angekündigt. Bei den Hochschulen sollen dabei im kommenden Jahr 26,5 Mio. € gekürzt und in den Jahren 2015 bis 2025 insgesamt 50 Mio. €.

2. Was hat der Wissenschaftsrat festgestellt?

  • Hochschulstruktur ist generell angemessen, d.h. jeder Hochschulstandort sollte erhalten bleiben
  • Hochschulen sind ein wichtiger Standortfaktor
  • wesentliche Probleme in Sachsen-Anhalt sind: unscharfe wissenschaftliche Profilierung, eingeschränkte Strategiefähigkeit der Hochschulen und unzureichende Nutzung von Kooperationspotenzialen
  • sofortige Kürzungen im Hochschulbereich sind innerhalb der nächsten 5 Jahre nicht sinnvoll
  • langfristig sollen wie bisher 34 000 Studienplätze finanziert werden (bei momentan 55 000 eingeschriebenen Studierenden)
  • das momentan sehr ausdifferenzierte Studienangebot soll konzentriert und verdichtet werden
  • die vorklinische Ausbildung in der Medizin in Halle sollte nach Magdeburg verlagert werden
  • die Lehramtsausbildung komplett nach Halle

Eine ausführlichere Zusammenfassung der Empfehlungen findet ihr  hier. Die kompletten Empfehlungen des Wissenschaftsrates sind hier abrufbar. 

3. Wie geht es jetzt weiter?

Das Ministerium für Wissenschaft und Wirtschaft möchte bis zum Ende des Jahres einen Hochschulstrukturplan erstellen, in dem konkrete Vorschläge zur weiteren Entwicklung der Hochschulen vorgelegt werden.
In seiner Sitzung am 10.07.  hat sich der Landtag ebenfalls mit der Zukunft der Hochschulen beschäftigt und unter anderem beschlossen, dass zwei hochschulmedizinische Standorte erhalten bleiben und die Anzahl der Studienplätze nicht abgesenkt werden sollen. Eine Verlagerung der vorklinischen medizinischen Ausbildung nach Magdeburg ist vom Tisch.
Der Haushaltsentwurf wird im September in den Landtag eingebracht und im Dezember endgültig beschlossen. Dann steht fest, ob und wenn ja, in welcher Höhe die Hochschulen von Kürzungen im nächsten Jahr betroffen sein werden.

4. Was interessiert mich das überhaupt?

Unterdessen will auch die Universität Halle ihre Konsequenzen aus den Wissenschaftsratsempfehlungen ziehen. In der Sitzung des Akademischen Senats  am 19.07. wurde ein Weiterführen der Profildiskussion verabredet. Diese Diskussion wurde bereits in den vergangenen Monaten geführt, aber unterbrochen, um auf die Empfehlungen des Wissenschaftsrates zu warten. Ursprünglicher Anlass war, das Haushaltsdefizit der Universität in Höhe von 6 bis 7 Mio. € abzubauen. Die Universität möchte nun die bisherigen Profil- und Strukturüberlegungen, die auch zu einem Abbau des Defizits führen sollten, unter Berücksichtigung der Empfehlungen des Wissenschaftsrates zu Ende führen. Ein entsprechendes Konzept soll im September im Akademischen Senat vorgestellt werden. Dann wird sich abzeichnen, welche Veränderungen die Universität von sich aus vornehmen will und wie das Haushaltsdefizit abgebaut werden kann. Das wird unausweichlich mittelfristige Strukturveränderungen bedeuten, die zu Personalabbau und damit wahrscheinlich zur Schließung von Studienprogrammen führen.

Der Studierendenrat und das Aktionsbündnis begleiten den Prozess kritisch und in eurem Sinne. Wir halten euch auf dem Laufenden, insbesondere auf der neuen Hochschulpolitik-Seite des Studierendenrates.

Eine schöne vorlesungsfreie Zeit wünschen euch,
Anne und Richard vom Studierendenrat

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