Gegen die „Prüfungsunfähigkeitsbescheinigung“!

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Theoretisch sind wir als Studierende genauso Mitglieder der Universität, wie es zum Beispiel ein Professor oder eine Dekanin ist. Als solche haben wir Mitspracherecht, dürfen die Lehre mitgestalten und tragen dazu bei, dass die Universität ein Ort der freien Bildung sein kann. Praktisch allerdings legt man uns immer wieder Hürden in den Weg. Eine davon, die eher an größtmögliche Kontrolle als an Freiheit erinnert, ist die sogenannte „Prüfungsunfähigkeitsbescheinigung“, die an manchen Fakultäten der Uni inzwischen zum Usus geworden ist. Mit dieser sollen die Studierenden beweisen, dass sie Prüfungen, zum Beispiel eine Klausur, wirklich nicht mitschreiben können. Auch wenn in vielen Bereichen des Lebens dafür vernünftigerweise eine normale Krankschreibung reicht, möchte man an der Universität Halle lieber mehr über die Krankheit der Studierenden erfahren: Bei der Bescheinigung muss der*die Ärzt*in Symptome angeben und dafür von der Schweigepflicht entbunden werden. Das besonders geschützte Vertrauensverhältnis zwischen Ärzt*in und Patient*in muss der Neugier der Uni weichen und da viele Praxen für diese Formular Geld sehen wollen, dürfen wir für diesen Verlust auch noch zahlen.

Allerdings gibt es noch mehr problematische Aspekte diese Vorgehens. Denn die bescheinigten Symptome müssen dann dem Prüfungsausschuss oder dem Prüfungsamt vorgelegt werden, die dann über die Legitimität der Angaben entscheiden müssen. Das bedeutet also, dass Nicht-Mediziner*innen darüber spekulieren, ob beispielsweise ein gebrochener Arm ausreicht, um eine Prüfung später zu schreiben. Dass dabei nicht nur in der Privatsphäre der Studierenden eingedrungen wird, sondern auch strukturell Fehlentscheidungen getroffen werden, ist offensichtlich, denn sowohl Krankheiten als auch Symptome wirken individuell ganz anders, als ein Blatt Papier ausdrücken könnte. Deshalb kümmern sich auch Hausärzt*innen um Krankheiten und kein Industriebetrieb.

Als Studierendenrat fordern wir für die Studierenden, dass diese Entmündigung aufhört. Es ist Unsinn, den an die 20.000 Studierenden grundsätzlich zu unterstellen, sie würden sich eine Krankschreibung erschleichen. Und es ist Unsinn, Ärzt*innen bei der Ausstellung dieser Krankschreibungen zu misstrauen. Wir fordern unsere Privatsphäre zurück und das Recht, ohne diese unnötige Repression zu studieren!

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